Vor Kurzem erhielten wohl manche Nationalrats-Kandidaten ein Mail von einer Gruppe „Schweiz im Widerstand“. Der Inhalt bestand grob gesagt darin, dass die Aussagen über das sich ändernde Klima gefälscht seien, dass nicht das zunehmende CO2 eine sehr wichtige Ursache des Temperaturanstiegs sei, dass der Strahlungshaushalt an der Erdoberfläche nicht bekannt sei oder gar dass gewisse Aussagen der klassischen Physik nicht erwiesen seien wie etwa das Gesetz von Stefan-Boltzmann. Diese Aussagen sind natürlich ziemlich an den Haaren herangezogen. Jeder Physik- oder Klimatologiestudent lernt, wie diese grundlegenden Vorgänge funktionieren und sieht hinter den Kulissen der sichtbaren Prozesse einiges, das vielleicht nicht immer problemlos einsichtig ist. Man lernt auch, wissenschaftliche Thesen kritisch zu hinterfragen und entdeckte Zusammenhänge auf unabhängige Weise zu beleuchten. Die moderne Physik ist so erfolgreich, dass offensichtlich die Grundlagen seriös sind. Klimamodelle sind ein Beispiel, wie ein hochkomplexes System mit den Methoden der Physik beschrieben wird. Sie sind in der Lage, die Auswirkungen der Schwankung der Sonnenstrahlung auf die irdischen Temperaturen zu beschreiben, ebenso die Aufheizungsrate, die durch bestimmte Gase erreicht wird. Die Prognosen aus den Achziger Jahren haben sich bewahrheitet, die Aussagen sind qualitativ und quantitativ erhärtet, wenn auch der einzelne Wirbelsturm nie als das Produkt der allgemeinen Erwärmung dargestellt werden darf. Die Aussagen sind schlagend, die Kohärenz unter den massgeblichen Experten erstaunlich. Zugegebenermassen gibt es natürlich immer Unsicherheiten, etwa wie schnell genau das Meer oder der feste Boden CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen. Wer sich diesen Tatsachen verschliesst, hat entweder gewisse Grundlagen der Physik nicht verstanden (was verziehen sei) oder hat wahrscheinlich vordergründige Interessen. Wenn jemand etwas nicht wahrhaben will, weil er nicht bereit ist, Konsequenzen zu ziehen, dann hat das mit Verantwortungslosigkeit zu tun. Natürlich war es früher einmal mehrere Grad wärmer auf diesem Planeten, aber da lag der Meeresspiegel um Dutzende Meter höher. Und damals hatte es auch nicht 7 Milliarden Passagiere, die doch das Anrecht haben, menschenwürdig zu leben. Unsere Aufgabe im Westen wäre es, hier Massnahmen zu ergreifen. Ganz einfach weil wir am meisten zur laufenden Veränderung beitragen und gleichzeitig am ehesten wissen, was zu tun wäre und dies auch am ehesten wirtschaftsverträglich umsetzen können.
|